Stadt in der Stadt

Von der Frankfurter Allee betreten wir das Gelände durch eine schmale Lücke in der langen Gebäudefront. Mehrere Hinweisschilder und -stelen verstellen uns eher den Weg als uns zu leiten. Zwischen öden Hinterhöfen und Versorgungszufahrten, einer leerstehenden Mensa mit pinkem Schornstein und dem riesigen Plattenbau zur Linken will sich kein eindeutiges Gefühl einstellen. Aus einem Fenster im 8. Stock hängen Handtücher zum Trocknen – Lebenszeichen aus der mittlerweile leergezogenen Geflüchtetenunterkunft. Die gepflasterte Einfahrt hinauf gelangen wir in die Mitte des Blocks. Hier befindet sich zwischen Parkplätzen, uneindeutigen Freiräumen und verhüllten, leerstehenden oder sanierungsbedürftigen Gebäuden das Stasi-Museum – ein Ort, der aufklärt über den Repressionsapparat der DDR. Aufklärung ist auch die Absicht der Freiluft-Ausstellung zur Friedlichen Revolution. Am Fahrer des zwischen den Tafeln geparkten knallgrünen Kleinwagens ist sie allerdings bislang wohl vorbeigegangen.

Zwischen 1950 und 1989 operierte von diesem Gelände aus das Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit entstand hier eine Stadt in der Stadt inklusive Versorgungstrakt, Kino, Ärztehaus und psychologischer Beratung. Bis heute wirkt das Areal wie aus Zeit und Raum gefallen: Es ist alt und neu, leer und atmosphärisch, es steht still und bewegt sich. Der Spielplatz im Hof des Wohnprojektes WiLMa ist gepflegt aber derzeit leer, auf einer Terrasse sitzt ein Jugendlicher und spielt mit seinem Handy. In einem neuen Café gibt es gefüllte Croissants – aber immer nur eins von jeder Sorte. „Wir wissen nie, wie viele wir verkaufen können“ erklärt die Kellnerin. Hinten in der Ecke sitzen zwei Rentnerinnen nach ihrem wöchentlichen Arztbesuch und lauschen interessiert unseren Planergesprächen – scheinbar haben sie selten Gesellschaft bei ihrer Kaffeepause. Wir werden wiederkommen.