Auf Wohnungssuche.

30.11.2018

Unser Kollege Alessandro lässt seine Erlebnisse in unserer Stadt Revue passieren.

Rückblende: Prenzlauer Berg, 2017. 3 Zimmer Küche Bad, Altbau. Miete: unter 1000 Euro Kalt. Zum Besichtigungstermin kamen mehrere hundert Leute (laut Focus Online 800). Ich hätte auf meiner Wohnungssuche einer davon sein können – aber das Angebot schien mir schier utopisch! Was bedeutet das für eine Stadt wie Berlin und ihrer Wohnraumpolitik? Wahrscheinlich nichts Gutes.

Der Wohnungsmarkt in Berlin ist so heiß, dass er fast kocht. Das scheint auch der globalen Wohnungswirtschaft nicht entgangen zu sein: Berlin ist gleich nach New York die beliebteste Stadt für ausländische Investoren – noch vor London, Los Angeles und San Francisco (Association of Foreign Investors in Real Estate afire 2017). Warum ist das so? Die Antwort ist einfach – die Renditeerwartungen für Eigentümer sind extrem hoch. Die Bestandsgebäude sind vergleichsweise kostengünstig zu erwerben und mit den Mieten können schnell Gewinne erwirtschaftet werden. Außerdem ist Berlin trendy, sexy, hip – die Bevölkerung ist in den letzten Zehn Jahren um 10 % gestiegen, der Neubau hinkt hinterher – und daraus resultiert ein enormer Druck auf den Wohnungsmarkt, der sich in den Mietpreisen widerspiegelt.

Ich habe mich ein halbes Jahr auf den Markt geschmissen, war auf unzähligen Wohnungsbesichtigungen, habe mich bei Eigentümern, Vermietern, Hausverwaltungen und Maklern eingeschleimt und bei zustimmenden Gesprächen mit Ihnen über den katastrophalen Wohnungsmarkt – und dass sie ja die Guten wären – meine Selbstachtung verloren. Fragwürdige Deals gab es zu genüge. Seit gut sechs Monaten bin ich nun Kreuzberger, SO36 – ein kleiner großer Traum von mir. Den Quadratmeterpreis von knapp 17 € habe ich dafür nach zahllosen Absagen akzeptiert. „Irgendwo muss ich ja wohnen, oder?“ rechtfertige ich mich vor allem vor mir selbst. Das ist nicht das Kreuzberg aus meinen Träumen – ich schäme mich sogar dafür!

Ich bin Student, Stadtforscher, kritisch – und nun selbst Teil dieser so allgegenwärtigen Transformation. Ein schmerzhaftes Dilemma.