#feiertagfueralle

8. März 2019, von Marie Neumüllers

Gelegentlich geht mir die Berliner Politik gegen den Strich. Und zwar so richtig. Zuletzt weniger in Sachen Wohnungsbau, Kleingärten oder Ausbau der Fahradinfrastruktur. Sondern bei dem reichlich chaotischen Alleingang, den Frauentag zum neuen Feiertag zu erklären. Ich ginge gerne heute zur Arbeit, wenn ich dafür 365 Tage Gleichberechtigung im Jahr bekäme.

Oder wenn sich nach acht Frauen in Folge mal wieder ein Mann auf einen unserer Praktikumsplätze bewerben würde.

Oder wenn hier nie wieder jemand anriefe, der nach dem Chef verlangt.

Oder wenn unsere Auftraggebenden nicht alle ihr eigenes Süppchen kochten bei den Gendersternchen, Schräg- und Unterstrichen, Disclaimern oder sonstigen Versuchen, Ungleichheit wenigstens aus der Sprache zu verbannen.

Oder wenn statt der Kollegin nächstes Jahr ein Kollege über den Wiedereinstieg nach der Elternzeit sinniert.

Oder wenn Männer und Frauen gemeinsam zurDemo gehen.

Den Feiertag nutze ich übrigens zum gemeinsamen Essen mit Befreundeten (ja, jetzt habe ich tief in die sprachliche Trickkiste gegriffen). Die Kids haben eine Umfrage gestartet, wer kocht: Die Eltern? Die Kinder? Die Frauen? Die Männer?

Meine persönliche Antwort: Ich nicht. Wie auch an geschätzt 180 anderen Tagen im Jahr.