Faktencheck Mobilität

Wir fahren mit Diensträdern zu Terminen, transportieren gerne Material von A nach B mit einem Lastenrad, sind im Alltag gerne mit dem Rad unterwegs und diskutieren im Büroalltag immer wieder, wie wir noch ressourcenschonender arbeiten können. Aber wie nachhaltig arbeiten wir wirklich? Ein Faktencheck soll es nun zeigen.

Angefangen im Bereich Mobilität wollten wir wissen, wie hoch unser CO2-Fußabruck ist. Dafür haben wir von allen Teammitgliedern (13 Personen) von Mai bis Juli alle Wege zur Arbeit und nach Hause sowie Strecken, die innerhalb der Arbeitszeit zurückgelegt wurden, betrachtet.

Dabei waren wir 41.730 km unterwegs – dass ist einmal um die Welt (40.075 km). Verbraucht haben wir dabei fast 3 t CO2. Dass ist umgerechnet für jede/n ca. ein Zehntel seines/ihres jährlichen Klimabudgets von 2,3 t. Auf ein Jahr umgerechnet, würden somit zwei Fünftel unseres jährlichen Klimabudgets auf die Mobilität am Arbeitsplatz entfallen. Damit es nicht dabei bleibt, suchen wir nun gemeinsam nach Möglichkeiten, unseren Fußabdruck zu reduzieren.

Wohnen ist ein lebensnotwendiges Gut-keine Spekulationsware

Die Presse überschlägt sich, seit letzte Woche Details des geplanten Berliner Mietendeckels bekannt geworden sind: Wohnungen in Berlin sollen in den kommenden Jahren demnach nicht mehr als knapp acht Euro pro Quadratmeter kosten dürfen. Auch wenn es sich derzeit erstmal um einen „Vorbereitungsstand für einen Referentenentwurf“ (Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher) handelt, die durchgesickerten Informationen werden heftig diskutiert – auch bei Urbanizers.

Würden die Mieten einen Investitionsstau verursachen? Gibt es nur noch Großinvestoren, weil kleine Eigentümer*innen sich die Instandhaltungskosten nicht mehr leisten können? Wird durch einen Mietendeckel der Neubau lahmgelegt? Ist der Mietendeckel überhaupt verfassungsgemäß? Bei so viel unbeantworteten Fragen lohnt sich der Blick nach Österreich: Hier gibt es seit Jahren einen Mietendeckel. Walter Rosifka (Jurist und Wohnrechtsexperte der Wiener Kammer für Arbeiter und Angestellte sowie Mitglied der Arbeitsgruppe “Wohnrecht” im österreichischen Bundesministerium für Justiz) erklärt in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, was er gebracht hat. Zwei seiner Aussagen finden wir besonders spannend:

  1. „Ich finde, bei lebensnotwendigen Gütern muss der Staat im öffentlichen Interesse eingreifen dürfen.“
    Wohnen gehört zu diesen lebensnotwendigen Gütern, es ist Menschenrecht (verankert in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 und im UN-Sozialpakt von 1966). Die Neuvertragsmieten für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sind in Berlin von 2010 bis zum zweiten Quartal 2018 um 73,3 Prozent gestiegen. Die Bruttogehälter allerdings wuchsen im gleichen Zeitraum nur um 39 Prozent (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg) Das führt dazu, dass immer mehr Menschen sich das lebensnotwendige Gut nicht mehr oder nur noch unzureichend – zu klein, zu weit weg von Kita, Schule oder Arbeitsplatz – leisten können.
  2. „Die Mietenbegrenzung in älteren Gebäuden führt über kurz oder lang dazu, dass die Investoren sagen, dann gehe ich in den Neubau und errichte Häuser.“ Mit anderen Worten: Wenn die Gewinnmargen im Bestand reduziert werden, könnte mehr Geld in künftige Wohnungen fließen[1]. Denn Gebäude mit Baujahr 2014 und jünger sind von den Regelungen ausgenommen. Das haben die Bauträger, die jetzt ihre Vorhaben in Berlin stoppen wollen, vielleicht überlesen.

Mieter*innen, selbstnutzende und vermietende Eigentümer*innen in unserem Team eint jedenfalls die Hoffnung, dass die Hauptstadtpolitik noch handlungsfähig genug ist, um das lebensnotwendige Gut Wohnen nachhaltig zu sichern.

[1] Siehe dazu auch „Berlin: Mietendeckel nimmt konkrete Konturen an.“ Blogartikel von Andrej Holm, 27.8.2019

Urbane Waldgärten – Die Rückkehr in den Garten Eden?

Gärtnern hat bei mir immer überwiegend negative Assoziationen hervorgerufen: Den elektrischen Rasenmäher meiner Mutter alle zwei Wochen über den handtuchgroßen Rasen hin- und herschieben oder mit der linken Hand das Stromkabel in den richtigen Momenten über die Maschine schwingen, um es möglichst nicht zu durchtrennen. Bei gutem Rasenwachstum zweimal im Prozess den Grasschnitt Richtung Biotonne schleppen.

Dabei geht es auch so viel schöner – das zeigt mir aktuell der Beteiligungsprozess zur Planung eines urbanen Waldgartens. Ein Waldgarten orientiert sich, wie der Name schon sagt, in seinem Aufbau an der Natur: dem Wald. In mehreren Schichten werden Bäume, Sträucher, Kräuter und Wurzeln so kombiniert, dass sie sich wie in der Natur gegenseitig unterstützen und regulieren. Dieser Aspekt unterscheidet den Ansatz vom herkömmlichen Urban Gardening. Heraus kommt ein wunderbar vielseitiger, hoffentlich ertragreicher, bunter und wilder Garten. In dem aktuell laufenden Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben der Universität Potsdam geht es vor allem auch darum zu untersuchen, wie eine Gruppe größtenteils unbekannter Menschen gemeinsam den urbanen Waldgarten plant und schließlich anlegt und bewirtschaftet. Aushandlungen, Gemeinschaftsbildung, Solidarität und frisches Obst, Gemüse und Kräuter in Einem.

Der Ansatz dieses Projekts erlaubt es mir, eine ganz andere Perspektive auf Gartenarbeit einzunehmen. In meinem Kopf wächst ein sicherlich naives Traumbild: Stück für Stück wird ein Ort geschaffen, an dem man dem Lärm der Stadt entkommen kann und den Kopf frei bekommt. Die Kombination der verschiedenen Pflanzen birgt fast das ganze Jahr über verschiedene Freuden für alle Sinne. Die harte Arbeit erledigt sich in wunderbarer Gemeinschaft fast schon von alleine.

Natürlich wird es in Realität alles nicht ganz so rosig aussehen. Der Prozess um Konzeption, Aufbau und Bewirtschaftung eines urbanen Waldgartens birgt wahrscheinlich ungeahnte Herausforderungen und Durststrecken. Aber ich bin mir sicher: Es lohnt sich.

Willkommen und Abschied – Ein Résumé und einige Pläne

Zum ersten Mal seit langem haben wir zwei Praktikantinnen gleichzeitig im Büro. Lena und Sophia nutzten das – bei Kaffee auf dem Gehsteig sitzend – für ein Gespräch über Erfahrungen, Erwartungen, Zukunftspläne und Résumés. Lena, nach ihrem erfolgreichen Praktikum bereits vollständig mit der Arbeit bei Urbanizers vertraut, reicht wertvolle Überlebenstipps und Ratschläge für eine möglichst gut genutzte und lehrreiche Zeit an die neuankommende Sophia weiter. Nach umständlicher Aktivierung der iPhone-Aufnahmefunktion ereignete sich folgender Schlagabtausch.

S: Erzähl mir doch mal was über deine letzten Wochen hier bei Urbanizers.

L: Meine Zeit hier war sehr abwechslungsreich. Ich würde sagen, ich habe sehr viel gelernt. Das ging vom wissenschaftlichen Schreiben, was nah mit meinem Studium zutun hatte, über die Organisation von Beteiligungsveranstaltungen bis zur Wahrnehmung von Auswärtsterminen zusammen mit Auftraggebern. Es war insgesamt inhaltlich sehr dicht und hat total Spaß gemacht.

S: Was hat dir am Besten gefallen?

L: Ich glaube das ist tatsächlich das, was mir am Besten gefallen hat: dass es überhaupt nicht langweilig wurde, weil ich so viele verschiedene Aufgaben hatte. Und ganz besonders toll waren natürlich schon die Auswärtstermine und das „im Feld sein“.

S: Was würdest du einem Neuankömmling wie mir raten?

L: Ich würde dir zu allererst raten, alle deine Vorstellungen, die man so an eine typische Praktikantenstelle hat, über Board zu werfen, weil typische Praktikantenarbeit – wie kopieren, Kaffee kochen, … – solche Sachen wirst du hier nicht machen. Stattdessen würde ich dir raten, einfach total offen zu sein und dir zu überlegen, was DU gerne machen möchtest, wo du dich einbringen möchtest. Hier findet sich auf jeden Fall ein Rahmen, um eigene Ideen zu verwirklichen.

S: Und was machst du jetzt als nächstes?

L: Ich bin tatsächlich in das Praktikum gestartet mit der Hoffnung, ein Thema für meine Masterarbeit zu finden. Ich habe zwar kein festes Thema gefunden, aber ich habe diverse Inspirationen gefunden und daran anknüpfend werde ich mich jetzt in die weitere Recherche für meine Masterarbeit stürzen.

S: Viel Erfolg dabei!

L: Dankeschön! Du bist ja für das Praktikum extra von Lüneburg nach Berlin gekommen, was ist dein erster Eindruck von der Stadt und worauf freust du dich besonders?

S: Mein erster Eindruck ist ein bisschen überfordernd. Lüneburg hat nur ca. 70 Tsd. Einwohner*innen, ist also wirklich sehr klein. Aber ich mag es total gerne, dass Berlin so groß ist und man viele verschiedene Möglichkeiten hat, was man machen kann. Jetzt nur auf die Stadt bezogen freue ich mich besonders, an den Wochenenden die Parks zu erkunden, in Museen zu gehen, verschiedene Veranstaltungen zu nutzen, bei Demos mitzulaufen – Sachen zu machen, die es in Lüneburg nicht gibt.

L: Im Praktikum geht’s ja auch immer darum, neue Sachen auszuprobieren und Dinge zu lernen – Was möchtest du bei Urbanizers lernen, was du bislang noch nicht verwirklichen konntest?

S: Mein Studium der Kulturwissenschaften ist sehr theoriebasiert und deswegen freue ich mich in die Praxis zu gehen; Konzepte zu erstellen, Methoden anzuwenden und mit Leuten „im Feld“ in Kontakt zu kommen. Alles was man eben in so einem theoriebasierten Studium nicht macht.

L: Das wirst du auf jeden Fall machen können. Und im Zweifel kann auch immer ein Kollege oder eine Kollegin helfen. Das wäre vielleicht auch noch ein Tipp für „Was ich einem Neuankömmling raten würde“ – bei Unsicherheiten einfach das Wissen der Kolleg*innen abschöpfen.

Ab 2020 haben wir wieder Praktikumsplätze frei und freuen uns auf Bewerbungen von Leuten, die genauso neugierig sind wie Lena und Sophia.

Parkaue City – Die klügere Stadt!?

Von Thierry Nolmans

Die Städte der Zukunft – zumindest wenn es nach den Achtklässler*innen des Manfred-von-Ardenne Gymnasiums aus Lichtenberg geht – zeichnen sich durch extravagante Architektur aus, sie speisen sich aus Solarstrom, Grün kommt weitläufig und in allen Dimensionen vor, Autos sind mittlerweile out, aber Shopping-Center mit Markenboutiquen bleiben weiterhin ein Muss.

Doch wie kamen wir zu dieser Erkenntnis?

Zugegebenermaßen war ich etwas verwundert als wir vom Theater an der Parkaue – dem jungen Staatstheater Berlins – angefragt wurden, ob wir gerne mit ihnen zusammenarbeiten würden. Theater und Stadtplanung, wie passt das zusammen, war mein erster Gedanke. Auf den zweiten Blick wurde mir jedoch klar, dass schlussendlich die beiden Gegenstände gar nicht soweit von einander entfernt sind – bei beiden Disziplinen ist die Bespielung von Raum zentral. Beim Theater ist die Bühne meist begrenzt – ein Containerraum, der durch einen performativen Akt eingenommen wird. Die Stadtplanung versucht den vorhandenen Stadtraum zu befüllen, umzuformen und funktional zu verteilen. Dabei versucht sie verschiedene Rollen einzunehmen, um eine möglichst große soziale Gerechtigkeit des Räumlichen zu gewährleisten. Rollen? Kommt einem doch irgendwie bekannt vor – somit wäre die wiederum die Brücke zum Theater geschlagen.

Das Anliegen der Parkaue war jedoch weitaus weniger abstrakt, als mein Versuch die beiden Disziplinen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Ihre diesjährige Spielzeit steht ganz unter dem Motto „Zukunft“ – als Berliner Institution kann man die Zukunft jedoch nicht ohne die Dimension Stadt denken. Mit dem Projekt Parkaue City sollten Jugendliche im Rahmen einer Aktionswoche einen zukunftsorientierten Blick auf das Thema Stadt gewinnen. Ihnen sollte vermittelt werden, dass man sich auch als Stadtbewohner*innen aktiv am Stadtmachen beteiligen kann. Kernstück der Aktionswoche bildeten die City Labs: Mehrere Gymnasialklassen aus Lichtenberg und Hellersdorf erarbeiteten in fünf verschiedenen Labs, geleitet von Stadtplaner*innen, Künstler*innen, Schauspieler*innen oder Architekt*innen Visionen für ihre Stadt der Zukunft. Eines dieser Labs haben wir geleitet.

Hierbei sollten wir die Themen „Nachhaltigkeit“, „Soziale Stadt“ und „Digitale Stadt“ einbringen. Die entstandenen Ergebnisse sollten am Ende der Woche präsentiert werden. Die Art der Vermittlung wurde uns hierbei gänzlich offen gelassen. So regten wir die Schüler*innen am ersten Tag zunächst an, im Rahmen einer Stadtexkursion selbst zu Entdecker*innen zu werden. An den folgenden Tagen stand der Modellbau im Mittelpunkt: Nach einem inhaltlichen Input zu den drei Themenkomplexen der Aktionswoche bauten die Jugendlichen ihre Städte der Zukunft. Hierbei galt es, durch das Einnehmen verschiedener Rollen unterschiedlichste Interessen zu berücksichtigen und in den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Gewerbe, Grün, Mobilität und soziale Funktionen umzusetzen. All dies spiegelt sich in den Städten der Zukunft der Schüler*innen wider.

Weitere Impressionen der Woche sind auf der Website der Parkaue zu finden.

Beetefibel

Es geht los: Vor dem Büro legen wir gemeinsam ein sechsgeschossiges Gemüsebeet an. Ganz im Sinne einer „Stadt für alle“, wird das Beet eine Gemeinschaftsfläche in unserer Nachbarschaft sowie Lebensraum für verdrängte Randgruppen wie Wildbienen, Wurzelhalsschnellkäfer und Co. zugleich.

Für alle, die Lust haben, es uns gleich zu tun, gibt es hier eine kleine Fibel für Straßenbeete.

Späti vs. Trinkhalle, Teil III

Fortsetzung zu Teil I und Teil II:  In diesem letzten dritten Teil findet ihr heraus, ob sich unsere Praktikantin entscheiden kann.

 

Mentalität

Ich mag die Berliner Schnauze, dennoch kann sie mit der rauen, ehrlichen und unaufgeregten Ruhrpott Mentalität schwer mithalten, die ich hier in Berlin manchmal vermisst habe. Trainingsjacken aus den 80ern tragen die Menschen an beiden Orten. Während sie in Berlin teuer auf dem Flohmarkt gekauft wurden und modischen Zwecken dienen, werden sie im Ruhrpott vor allem von der älteren Generation ohne weiteren Hintergedanken getragen – und das schon seit den 80ern.

Es wird deutlich: Ein Vergleich ist schwierig. Auf den ersten Blick überzeugt Berlin, doch auch das Ruhrgebiet ist spannender als sein Ruf. Ich bleibe unentschlossen. Beide Orte zeichnen sich durch eine große Vielfalt an Menschen aus, dennoch sind sie so unterschiedlich und beide auf ihre Art besonders.

 

Vielleicht ist meine Zeit in Berlin zu kurz, im Vergleich zu den Jahren, die ich im Ruhrgebiet verbracht habe, um solch einen Vergleich abschließend zu bewerten. Doch dank meines Praktikums bei Urbanizers habe ich einen tiefen und vielschichtigen Einblick in die Hauptstadt und aktuelle stadtpolitische Themen bekommen. Ohne die Kolleg*innen wäre wohl sehr viel an mir vorbeigegangen.

 

Danke liebe Urbanizers für die schönen 3 Monate bei euch, für die vielen Veranstaltungen, zu denen ich euch begleiten durfte, für das offene Ohr bei Fragen aller Art und den guten Kaffee!

 

Danke, liebe Marie, für deine tatkräftige Unterstützung!

Boys’Day – Der Zukunftstag für Jungs

Ich habe heute meinen Boys’Day hier bei Urbanizers verbracht und gerade mein erstes eigenes In-Design-Plakat gemacht.
Über FridaysForFuture, über die Bewegung, die weltweit schon über zwei Millionen Jugendliche dazu bewegt hat, endlich etwas für das Klima zu tun, das zu machen, woran die Politik so kläglich gescheitert ist. Alles hat natürlich in Stockholm angefangen, vor dem schwedischen Parlament, mit Greta Thunberg, dem Vorbild unserer Generation. Berühmt ist die Bewegung in Katowice, Polen, geworden, wo Greta Thunberg eine Rede gehalten hat. Seitdem gehen die Jugendlichen zu Hunderttausenden auf die Straßen. Alleine in Deutschland an über 200 Orten.
Urbanizers beschäftigt sich mit Stadtentwicklung, also wie man eine Stadt fortschrittlicher, gesünder, grüner machen kann. Hier gibt es auch einen Zusammenhang mit den FridaysForFuture, zum Beispiel machen sie Forschung zur „Energetischen Stadtsanierung“. Und auch dafür wird mit Grafikprogrammen gearbeitet, zum Beispiel wurden heute ein Roll-Up und ein Flyer für eine Veranstaltung gemacht, bei deren Erstellung ich mitgelernt habe. Natürlich gibt es bei Urbanizers noch mehr: Die Mitarbeiter*innen gehen auf Geschäftsreisen, Termine und Veranstaltungen, die sie selbst planen und moderieren. Und sie lesen, schreiben (z. B. Blogbeiträge) und zeichnen Pläne. Trotzdem haben sie sich ziemlich viel Zeit für mich genommen.

Beim Boys’Day sollen Jungs Einblick in Arbeitsbereiche erhalten, in denen viele Frauen beschäftigt sind. Bei Urbanizers arbeiten viele Frauen, aber eigentlich ist egal, welches Geschlecht die Personen haben.

So kann ich für mich sagen, dass der Boys’Day für mich ein voller Erfolg war und ich sehr viel gelernt habe und nun meine Eltern dazu überreden muss, mir sehr viele Programme herunterzuladen, damit ich auch zu Hause so gut weiterarbeiten kann.

Buchtipp | Verdrängung auf angespannten Wohnungsmärkten

„Die Verdrängung ist zum Geschäftsmodell geworden“, konstatierte Stadtsoziologe Andrej Holm im April 2018 bezogen auf den Berliner Wohnungsmarkt (Freitag 13.04.2018). Da war das empirische Material der jetzt veröffentlichten Studie von Wüstenrot Stiftung und Geographischen Institut der Humboldt-Universität längst gesammelt. [1] Ein Kernergebnis stützt Holms Aussage: Die Verdrängungsrate, die von den Forschern unter knapp 2.000 Umzüglern in den beliebten Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte ermittelt wurde, beträgt nicht weniger als 22,5%. Knapp zwei Drittel dieser Menschen wurden direkt verdrängt, ihre Mietsituation hat sich also so zum Schlechteren verändert, dass sie nicht mehr bleiben konnten oder wollten. Ein weiteres Drittel hat sich zum Umzug entschlossen, weil sich das Wohnumfeld so gewandelt hat, dass die Aufgabe der bisherigen Wohnung die bessere Option schien. Kulturelle Verdrängung nennen das Forschungsteam das.  Und die Unterscheidung macht deutlich: Mit der Untersuchung ist zunächst eine grundlegende Konzeptualisierung von Verdrängung gelungen, die beim Vorliegen entsprechender Daten ein gefühltes Phänomen erstmals messbar macht.

Auch Andrej Holms eingangs zitierter Warnruf lässt sich mit den Studienergebnissen differenziert belegen: Schaut man sich an, das fast 50% aller aus Wohnungen privatwirtschaftlicher Unternehmen verdrängten Menschen wegen Mieterhöhungen auszogen und mehr als 40% aufgrund von Instandhaltungsstau, wird man durchaus zur Sympathisantin der Initiative „Deutsche Wohnen enteignen“.

Dass private Kleinanbieter*innen tatsächlich die größte Gruppe der Verdränger ausmachen, wie in der Studie dargestellt, wollen nicht alle Fachleute glauben. Deutlich ist jedenfalls, dass bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen und bei den Genossenschaften nur wenige Mieter*innen überhaupt auszogen – und noch weniger von diesen Verdrängungsfaktoren als Grund angaben.

Man mag nicht in allen Punkten mit der Methodik und den Abgrenzungen konform gehen. Man mag bedauern, dass sich die Erhebungen auf zwei innerstädtische Szenebezirke beschränken und man nichts über die kulturelle Verdrängung am Stadtrand erfährt. Man mag darauf hoffen, dass die Befragung in regelmäßigen Abschnitten wiederholt wird.  Ganz unabhängig davon hat die Studie auch über Berlin hinaus Relevanz für Städte mit angespannten Wohnungsmärkten – als Inspiration, die eigene Lage genauso detailliert zu analysieren und als Ausgangspunkt für die Entwicklung eines Instrumentariums, das Verdrängung zurückdrängen kann. Denn die 3,1 km, die das Forschungsteam als durchschnittliche Entfernung vom alten bis zum neuen Wohnort der Verdrängten ermittelte, sind eine Welt in einer Stadt der Kieze.

[1] Wüstenrot Stiftung (Hrsg.): Verdrängung auf angespannten Wohnungsmärkten. Das Beispiel Berlin. Fabian Beran/Henning Nuissl. Ludwigsburg 2019. Bezugsquelle: www.wuestenrot-stiftung.de

#feiertagfueralle

Gelegentlich geht mir die Berliner Politik gegen den Strich. Und zwar so richtig. Zuletzt weniger in Sachen Wohnungsbau, Kleingärten oder Ausbau der Fahradinfrastruktur. Sondern bei dem reichlich chaotischen Alleingang, den Frauentag zum neuen Feiertag zu erklären. Ich ginge gerne heute zur Arbeit, wenn ich dafür 365 Tage Gleichberechtigung im Jahr bekäme.

Oder wenn sich nach acht Frauen in Folge mal wieder ein Mann auf einen unserer Praktikumsplätze bewerben würde.

Oder wenn hier nie wieder jemand anriefe, der nach dem Chef verlangt.

Oder wenn unsere Auftraggebenden nicht alle ihr eigenes Süppchen kochten bei den Gendersternchen, Schräg- und Unterstrichen, Disclaimern oder sonstigen Versuchen, Ungleichheit wenigstens aus der Sprache zu verbannen.

Oder wenn statt der Kollegin nächstes Jahr ein Kollege über den Wiedereinstieg nach der Elternzeit sinniert.

Oder wenn Männer und Frauen gemeinsam zurDemo gehen.

Den Feiertag nutze ich übrigens zum gemeinsamen Essen mit Befreundeten (ja, jetzt habe ich tief in die sprachliche Trickkiste gegriffen). Die Kids haben eine Umfrage gestartet, wer kocht: Die Eltern? Die Kinder? Die Frauen? Die Männer?

Meine persönliche Antwort: Ich nicht. Wie auch an geschätzt 180 anderen Tagen im Jahr.