Sonntags, halb acht

Früher, vor Corona, fand ich den Sonntagmorgen, so gegen halb acht, eine tolle Zeit, um kurz rauszugehen, Brötchen kaufen oder so. Kaum Autos, wenig Leute auf der Straße. An der Ecke ein Zeitungsverkäufer, das war‘s. Durchatmen, die Hektik des Alltags war kurz weg. Ein besonderes Gefühl von Freiheit, Lächeln, Vorfreude auf ruhige Stunden zuhause, Zeit mit der Familie, vielleicht joggen, was lesen, spielen mit den Kindern, mal sehen. Jetzt, wo es immer Sonntagmorgen halb acht ist, finde ich das keinen besonderen Moment mehr. Oder anders: Es ist dauernd besonders aber nicht positiv, nein, von den Möglichkeiten her eher das Gegenteil. Nichts ist mehr freiwillig, sondern in einem elementaren Sinne unfrei. Die paar Leute, die ich zurzeit um „dauer-halb-acht“ auf dem Weg von zuhause zum Büro (noch darf ich ja dorthin) treffe, bewegen sich – mich eingeschlossen – in merkwürdig konvexen Bögen – voneinander weg. Einige tragen Mundschutz, andere Gummihandschuhe, manche beides. Auf halbem Weg komme ich an der Statue von Adenauer am gleichnamigen Platz vorbei. Sie ist mein Sinnbild dieser Tage. Warum? Erstmal zeigt sie Konrad Adenauer schnellen Schrittes gehend, mit wehendem Mantel in Richtung Ku’Damm. Irgendwie scheint er auf dem Weg, bloß weg hier, nicht stehenbleiben. Das passt ganz gut auf unsere Situation, denke ich. Der Grund dafür war freilich ein anderer: Adenauer war nicht sehr beliebt bei den Berliner:innen, weil er einst Bonn zur Hauptstadt machte. Das ist lange her, mittlerweile ist Berlin Hauptstadt, …Friedliche Revolution, Maueröffnung, Wiedervereinigung… All das geht mir kurz durch den Kopf. Doch da ist noch mehr: Konrad Adenauer war eben auch erster Bundeskanzler in einer Zeit, wo die Menschen hier einen Weg versuchten, debattiert, gerungen und gekämpft haben, um aus der Katastrophe nationalsozialistischer Diktatur in eine demokratisch verfasste Bundesrepublik zu finden. Föderal, vor allem frei sollte sie sein. Jeder sollte nach seiner Façon glücklich werden. Nein, ich kippe hier nicht das Kind mit dem Bade aus. Die Kanzlerin hat in ihrer Rede mehr als deutlich gemacht, dass es nur absolut ausnahmsweise und nur so lang wie nötig Beschränkungen geben kann – um Menschenleben zu retten. Dennoch zeigt Corona, wie leicht sich demokratische Grundrechte einschränken, ja abschalten lassen, um der Sache willen. Einfach so, morgens um halb acht irgendwo eine Straße entlang schlendern, Menschen begegnen – ohne Gedanken, sich auf eine Bank am Adenauerplatz zu setzen, gar neben jemanden, den ich noch nie gesehen habe. Ein Eis essen, radeln, Bus oder von mir aus Auto fahren, die Gedanken treiben lassen, mich treffen, am Platz! Mit fünf, nein zehn Freunden zur Party gehen, nachhause oder in Eile zum nächsten Termin, was soll’s. Ich kann es! Diesen Wert, öffentlichen Raum frei zu betreten, ihn zu nutzen – ja, natürlich gibt es ein paar Rechte, genau dafür: Regeln im Straßenverkehr, soziale usw. –, spüre ich dieser Tage fast schmerzlich. Egal was kommt, dieses Wertgefühl nehme ich mit: Es gibt da etwas allzu selbstverständlich gar nicht Selbstverständliches, das es zu verteidigen gilt, im demokratisch verfassten Raum am Adenauerplatz und sonst wo auf der Welt.

Das Virus, der Raum und die Demokratie

Vor gut einem Monat haben wir im Auftrag der Wüstenrot Stiftung den Wettbewerb “Gebaute Orte für Demokratie und Teilhabe” ausgeschrieben. In diesem Zuge haben wir auch eine kleine Blogserie angekündigt. Die aktuelle Situation ist uns etwas in die Quere gekommen. Trotz oder gerade wegen des Stillstands von Urbanität wollen wir ab nun auf unserem Blog reflektieren, wie Demokratie und Teilhabe mit Stadt und Architektur zusammenhängen.

Die Auswirkungen des Coronavirus begegnen uns überall. Das öffentliche Leben ist weitestgehend lahmgelegt. Viele der Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie können nur umgesetzt werden, indem Rechte, die teils über Jahrhunderte hinweg mühsam erkämpft wurden, außer Kraft gesetzt werden: das Recht auf Versammlungsfreiheit, das Recht auf Bildung, die Reisefreiheit, das Recht auf Asyl. Ohne Frage, die Einschränkungen der Bürger*innenrechte zum Schutz tausender Menschenleben sind in der aktuellen Situation richtig und wichtig. Nichtsdestoweniger sollten wir all das nicht unhinterfragt geschehen lassen.

Die gegenwärtige Kontaktsperre lässt uns nicht nur spüren, wie wichtig unser gewohntes soziales Miteinander für unser Wohlbefinden ist. Corona zeigt uns auch, welche Bedeutung gebaute, materielle Orte und der öffentliche Raum in unserem alltäglichen Leben haben. Schulen, Jugendclubs, öffentliche Plätze, Kirchen, Theater und so vieles mehr – all das sind Treffpunkte und Lernorte für demokratische Haltung und Orientierung, die in Zeiten des Social Distancing nicht mehr erlebbar sind.

Demokratie braucht Begegnung. Demonstrationen, das Treffen im Verein, die Podiumsdiskussion an der Universität, das gemeinsame Innehalten an einem Mahnmal. Solche Begegnungen fallen nun weg. Aber auch zufällige Begegnungen kommen kaum noch vor: Kinder auf dem Spielplatz, Touristen am Brandenburger Tor, Fahrrad-, Fuß- und Autoverkehr im Straßenraum. Differenz aushalten und Konflikte aushandeln sind zentrale Momente von Demokratie. Gebaute, materielle Orte und der öffentliche Raum bieten die Voraussetzung für diese Momente. Ich hoffe, dass wir diese Orte nach Corona noch mehr zu schätzen wissen und sie mit konstruktiven Diskussionen und demokratischen Forderungen füllen.

Kinder- und Jugendbeteiligung auf Augenhöhe?

Während Beteiligung allgemein deutlich an Stellenwert gewonnen hat und zunehmend im Bewusstsein von Politik und Verwaltung verankert ist, werden junge Menschen in der Stadtplanung oft vergessen. Kann sich das ändern? Darüber diskutierten am 19. Februar Vertreter*innen aus Sozialarbeit, Forschung, Polizei, Verwaltung und Planung in der Stadtwerkstatt am Alexanderplatz. Das Projekt INERSIKI hatte zum Fachaustausch „Lebenswelt Stadt – Kinder und Jugendliche zwischen Nutzung, Aneignung, Verdrängung und Sicherheit im öffentlichen Raum“ eingeladen.

Neben Fragen der „städtebaulichen Kriminalprävention“ und der Ambivalenz des Sicherheitsgefühls von Kindern und Jugendlichen stand die Frage der Beteiligung auf Augenhöhe im Fokus der Veranstaltung. Hier herrschte weitgehende Einigkeit: Die Einbindung junger Menschen in Planungsprozesse werde meist leider stark vernachlässigt. Und das, obwohl sie rechtlich vielseitig verankert ist. In der UN-Kinderrechtskonvention (Artikel 12), dem Sozialgesetzbuch (§ 8), dem Baugesetzbuch (§ 3) – die Berücksichtigung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in alle sie betreffenden Entscheidungen taucht in einer Reihe von Gesetzestexten auf. Es mangelt jedoch an einer kontrollierenden Instanz und an Konsequenzen bei Nichtbeachtung.

Aus den Reihen der Sozialarbeiter*innen kam zudem Kritik über die Formate, welche für die Partizipation gewählt werden. Allzu oft seien Ansätze paternalistisch (siehe Untertitel) oder einseitig. Für eine adäquate Einbindung von Minderjährigen müsse man sich vor allem Zeit nehmen. Einmalige Workshops zu einem festen Zeitpunkt mit klarem Ergebnisziel führten nur zu einem oberflächlichen Eindruck, welcher den komplexen Ansprüchen unterschiedlicher Altersgruppen und Cliquen nicht gerecht werden könne. Gefragt sei ein offenes Ohr an ganz verschiedenen Orten und Raum für informelle Gespräche auf Augenhöhe.

Dafür fehlen in der Planung jedoch leider oft die finanziellen Mittel und der Wille. Dabei werden die Kosten durch die langfristig zu erwartenden positiven Effekte deutlich relativiert: Identifikation mit dem Lebensumfeld, demokratische Legitimierung der Planung, Generationengerechtigkeit und eine Passgenauigkeit der Angebote, mit der Fehlplanungen und damit unnötige Kosten vermieden werden können. Nicht zuletzt bieten auch konfliktreiche Prozesse die Chance, Jugendliche der politischen Bildung näherzubringen und damit Politikverdrossenheit frühzeitig vorzubeugen. Wer Demokratie lernen soll, muss Demokratie erleben!

Mit diesem Plädoyer kehre ich gerne zurück ins Büro, um den Stimmen junger Menschen auch weiterhin und zukünftig noch mehr Gehör zu verschaffen.

Los geht’s!

Die Ausschreibung ist veröffentlicht, die Wettbewerbsseite online, die Teilnahmephase hat begonnen! Nach monatelangem Tüfteln an Idee und Durchführung startet heute der Wettbewerb “Gebaute Orte für Demokratie und Teilhabe”. Im Auftrag der Wüstenrot Stiftung suchen wir bis einschließlich 12. Mai 2020 Gebäude, Plätze und Orte in ganz Deutschland, die die Grundwerte unserer demokratischen Gesellschaft zum Ausdruck bringen und Räume für demokratische Diskurse verfügbar machen.

Mehr dazu unter: www.orte-demokratie.de

Und weil Demokratie und Teilhabe Themen sind, die uns nicht nur im Rahmen dieses Wettbewerbs beschäftigen, nutzen wir die Gelegenheit und starten eine kleine Blogserie. In den kommenden Wochen werden wir reflektieren, wie Demokratie und Teilhabe mit Stadt und Architektur zusammenhängen und was das alles mit unserer eigenen Arbeit zu tun hat. Dran bleiben lohnt sich!

Faktencheck Mobilität

Wir fahren mit Diensträdern zu Terminen, transportieren gerne Material von A nach B mit einem Lastenrad, sind im Alltag gerne mit dem Rad unterwegs und diskutieren im Büroalltag immer wieder, wie wir noch ressourcenschonender arbeiten können. Aber wie nachhaltig arbeiten wir wirklich? Ein Faktencheck soll es nun zeigen.

Angefangen im Bereich Mobilität wollten wir wissen, wie hoch unser CO2-Fußabruck ist. Dafür haben wir von allen Teammitgliedern (13 Personen) von Mai bis Juli alle Wege zur Arbeit und nach Hause sowie Strecken, die innerhalb der Arbeitszeit zurückgelegt wurden, betrachtet.

Dabei waren wir 41.730 km unterwegs – dass ist einmal um die Welt (40.075 km). Verbraucht haben wir dabei fast 3 t CO2. Dass ist umgerechnet für jede/n ca. ein Zehntel seines/ihres jährlichen Klimabudgets von 2,3 t. Auf ein Jahr umgerechnet, würden somit zwei Fünftel unseres jährlichen Klimabudgets auf die Mobilität am Arbeitsplatz entfallen. Damit es nicht dabei bleibt, suchen wir nun gemeinsam nach Möglichkeiten, unseren Fußabdruck zu reduzieren.

Wohnen ist ein lebensnotwendiges Gut-keine Spekulationsware

Die Presse überschlägt sich, seit letzte Woche Details des geplanten Berliner Mietendeckels bekannt geworden sind: Wohnungen in Berlin sollen in den kommenden Jahren demnach nicht mehr als knapp acht Euro pro Quadratmeter kosten dürfen. Auch wenn es sich derzeit erstmal um einen „Vorbereitungsstand für einen Referentenentwurf“ (Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher) handelt, die durchgesickerten Informationen werden heftig diskutiert – auch bei Urbanizers.

Würden die Mieten einen Investitionsstau verursachen? Gibt es nur noch Großinvestoren, weil kleine Eigentümer*innen sich die Instandhaltungskosten nicht mehr leisten können? Wird durch einen Mietendeckel der Neubau lahmgelegt? Ist der Mietendeckel überhaupt verfassungsgemäß? Bei so viel unbeantworteten Fragen lohnt sich der Blick nach Österreich: Hier gibt es seit Jahren einen Mietendeckel. Walter Rosifka (Jurist und Wohnrechtsexperte der Wiener Kammer für Arbeiter und Angestellte sowie Mitglied der Arbeitsgruppe “Wohnrecht” im österreichischen Bundesministerium für Justiz) erklärt in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, was er gebracht hat. Zwei seiner Aussagen finden wir besonders spannend:

  1. „Ich finde, bei lebensnotwendigen Gütern muss der Staat im öffentlichen Interesse eingreifen dürfen.“
    Wohnen gehört zu diesen lebensnotwendigen Gütern, es ist Menschenrecht (verankert in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 und im UN-Sozialpakt von 1966). Die Neuvertragsmieten für Wohnungen in Mehrfamilienhäusern sind in Berlin von 2010 bis zum zweiten Quartal 2018 um 73,3 Prozent gestiegen. Die Bruttogehälter allerdings wuchsen im gleichen Zeitraum nur um 39 Prozent (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg) Das führt dazu, dass immer mehr Menschen sich das lebensnotwendige Gut nicht mehr oder nur noch unzureichend – zu klein, zu weit weg von Kita, Schule oder Arbeitsplatz – leisten können.
  2. „Die Mietenbegrenzung in älteren Gebäuden führt über kurz oder lang dazu, dass die Investoren sagen, dann gehe ich in den Neubau und errichte Häuser.“ Mit anderen Worten: Wenn die Gewinnmargen im Bestand reduziert werden, könnte mehr Geld in künftige Wohnungen fließen[1]. Denn Gebäude mit Baujahr 2014 und jünger sind von den Regelungen ausgenommen. Das haben die Bauträger, die jetzt ihre Vorhaben in Berlin stoppen wollen, vielleicht überlesen.

Mieter*innen, selbstnutzende und vermietende Eigentümer*innen in unserem Team eint jedenfalls die Hoffnung, dass die Hauptstadtpolitik noch handlungsfähig genug ist, um das lebensnotwendige Gut Wohnen nachhaltig zu sichern.

[1] Siehe dazu auch „Berlin: Mietendeckel nimmt konkrete Konturen an.“ Blogartikel von Andrej Holm, 27.8.2019

Urbane Waldgärten – Die Rückkehr in den Garten Eden?

Gärtnern hat bei mir immer überwiegend negative Assoziationen hervorgerufen: Den elektrischen Rasenmäher meiner Mutter alle zwei Wochen über den handtuchgroßen Rasen hin- und herschieben oder mit der linken Hand das Stromkabel in den richtigen Momenten über die Maschine schwingen, um es möglichst nicht zu durchtrennen. Bei gutem Rasenwachstum zweimal im Prozess den Grasschnitt Richtung Biotonne schleppen.

Dabei geht es auch so viel schöner – das zeigt mir aktuell der Beteiligungsprozess zur Planung eines urbanen Waldgartens. Ein Waldgarten orientiert sich, wie der Name schon sagt, in seinem Aufbau an der Natur: dem Wald. In mehreren Schichten werden Bäume, Sträucher, Kräuter und Wurzeln so kombiniert, dass sie sich wie in der Natur gegenseitig unterstützen und regulieren. Dieser Aspekt unterscheidet den Ansatz vom herkömmlichen Urban Gardening. Heraus kommt ein wunderbar vielseitiger, hoffentlich ertragreicher, bunter und wilder Garten. In dem aktuell laufenden Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben der Universität Potsdam geht es vor allem auch darum zu untersuchen, wie eine Gruppe größtenteils unbekannter Menschen gemeinsam den urbanen Waldgarten plant und schließlich anlegt und bewirtschaftet. Aushandlungen, Gemeinschaftsbildung, Solidarität und frisches Obst, Gemüse und Kräuter in Einem.

Der Ansatz dieses Projekts erlaubt es mir, eine ganz andere Perspektive auf Gartenarbeit einzunehmen. In meinem Kopf wächst ein sicherlich naives Traumbild: Stück für Stück wird ein Ort geschaffen, an dem man dem Lärm der Stadt entkommen kann und den Kopf frei bekommt. Die Kombination der verschiedenen Pflanzen birgt fast das ganze Jahr über verschiedene Freuden für alle Sinne. Die harte Arbeit erledigt sich in wunderbarer Gemeinschaft fast schon von alleine.

Natürlich wird es in Realität alles nicht ganz so rosig aussehen. Der Prozess um Konzeption, Aufbau und Bewirtschaftung eines urbanen Waldgartens birgt wahrscheinlich ungeahnte Herausforderungen und Durststrecken. Aber ich bin mir sicher: Es lohnt sich.

Willkommen und Abschied – Ein Résumé und einige Pläne

Zum ersten Mal seit langem haben wir zwei Praktikantinnen gleichzeitig im Büro. Lena und Sophia nutzten das – bei Kaffee auf dem Gehsteig sitzend – für ein Gespräch über Erfahrungen, Erwartungen, Zukunftspläne und Résumés. Lena, nach ihrem erfolgreichen Praktikum bereits vollständig mit der Arbeit bei Urbanizers vertraut, reicht wertvolle Überlebenstipps und Ratschläge für eine möglichst gut genutzte und lehrreiche Zeit an die neuankommende Sophia weiter. Nach umständlicher Aktivierung der iPhone-Aufnahmefunktion ereignete sich folgender Schlagabtausch.

S: Erzähl mir doch mal was über deine letzten Wochen hier bei Urbanizers.

L: Meine Zeit hier war sehr abwechslungsreich. Ich würde sagen, ich habe sehr viel gelernt. Das ging vom wissenschaftlichen Schreiben, was nah mit meinem Studium zutun hatte, über die Organisation von Beteiligungsveranstaltungen bis zur Wahrnehmung von Auswärtsterminen zusammen mit Auftraggebern. Es war insgesamt inhaltlich sehr dicht und hat total Spaß gemacht.

S: Was hat dir am Besten gefallen?

L: Ich glaube das ist tatsächlich das, was mir am Besten gefallen hat: dass es überhaupt nicht langweilig wurde, weil ich so viele verschiedene Aufgaben hatte. Und ganz besonders toll waren natürlich schon die Auswärtstermine und das „im Feld sein“.

S: Was würdest du einem Neuankömmling wie mir raten?

L: Ich würde dir zu allererst raten, alle deine Vorstellungen, die man so an eine typische Praktikantenstelle hat, über Board zu werfen, weil typische Praktikantenarbeit – wie kopieren, Kaffee kochen, … – solche Sachen wirst du hier nicht machen. Stattdessen würde ich dir raten, einfach total offen zu sein und dir zu überlegen, was DU gerne machen möchtest, wo du dich einbringen möchtest. Hier findet sich auf jeden Fall ein Rahmen, um eigene Ideen zu verwirklichen.

S: Und was machst du jetzt als nächstes?

L: Ich bin tatsächlich in das Praktikum gestartet mit der Hoffnung, ein Thema für meine Masterarbeit zu finden. Ich habe zwar kein festes Thema gefunden, aber ich habe diverse Inspirationen gefunden und daran anknüpfend werde ich mich jetzt in die weitere Recherche für meine Masterarbeit stürzen.

S: Viel Erfolg dabei!

L: Dankeschön! Du bist ja für das Praktikum extra von Lüneburg nach Berlin gekommen, was ist dein erster Eindruck von der Stadt und worauf freust du dich besonders?

S: Mein erster Eindruck ist ein bisschen überfordernd. Lüneburg hat nur ca. 70 Tsd. Einwohner*innen, ist also wirklich sehr klein. Aber ich mag es total gerne, dass Berlin so groß ist und man viele verschiedene Möglichkeiten hat, was man machen kann. Jetzt nur auf die Stadt bezogen freue ich mich besonders, an den Wochenenden die Parks zu erkunden, in Museen zu gehen, verschiedene Veranstaltungen zu nutzen, bei Demos mitzulaufen – Sachen zu machen, die es in Lüneburg nicht gibt.

L: Im Praktikum geht’s ja auch immer darum, neue Sachen auszuprobieren und Dinge zu lernen – Was möchtest du bei Urbanizers lernen, was du bislang noch nicht verwirklichen konntest?

S: Mein Studium der Kulturwissenschaften ist sehr theoriebasiert und deswegen freue ich mich in die Praxis zu gehen; Konzepte zu erstellen, Methoden anzuwenden und mit Leuten „im Feld“ in Kontakt zu kommen. Alles was man eben in so einem theoriebasierten Studium nicht macht.

L: Das wirst du auf jeden Fall machen können. Und im Zweifel kann auch immer ein Kollege oder eine Kollegin helfen. Das wäre vielleicht auch noch ein Tipp für „Was ich einem Neuankömmling raten würde“ – bei Unsicherheiten einfach das Wissen der Kolleg*innen abschöpfen.

Ab 2020 haben wir wieder Praktikumsplätze frei und freuen uns auf Bewerbungen von Leuten, die genauso neugierig sind wie Lena und Sophia.

Parkaue City – Die klügere Stadt!?

Von Thierry Nolmans

Die Städte der Zukunft – zumindest wenn es nach den Achtklässler*innen des Manfred-von-Ardenne Gymnasiums aus Lichtenberg geht – zeichnen sich durch extravagante Architektur aus, sie speisen sich aus Solarstrom, Grün kommt weitläufig und in allen Dimensionen vor, Autos sind mittlerweile out, aber Shopping-Center mit Markenboutiquen bleiben weiterhin ein Muss.

Doch wie kamen wir zu dieser Erkenntnis?

Zugegebenermaßen war ich etwas verwundert als wir vom Theater an der Parkaue – dem jungen Staatstheater Berlins – angefragt wurden, ob wir gerne mit ihnen zusammenarbeiten würden. Theater und Stadtplanung, wie passt das zusammen, war mein erster Gedanke. Auf den zweiten Blick wurde mir jedoch klar, dass schlussendlich die beiden Gegenstände gar nicht soweit von einander entfernt sind – bei beiden Disziplinen ist die Bespielung von Raum zentral. Beim Theater ist die Bühne meist begrenzt – ein Containerraum, der durch einen performativen Akt eingenommen wird. Die Stadtplanung versucht den vorhandenen Stadtraum zu befüllen, umzuformen und funktional zu verteilen. Dabei versucht sie verschiedene Rollen einzunehmen, um eine möglichst große soziale Gerechtigkeit des Räumlichen zu gewährleisten. Rollen? Kommt einem doch irgendwie bekannt vor – somit wäre die wiederum die Brücke zum Theater geschlagen.

Das Anliegen der Parkaue war jedoch weitaus weniger abstrakt, als mein Versuch die beiden Disziplinen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Ihre diesjährige Spielzeit steht ganz unter dem Motto „Zukunft“ – als Berliner Institution kann man die Zukunft jedoch nicht ohne die Dimension Stadt denken. Mit dem Projekt Parkaue City sollten Jugendliche im Rahmen einer Aktionswoche einen zukunftsorientierten Blick auf das Thema Stadt gewinnen. Ihnen sollte vermittelt werden, dass man sich auch als Stadtbewohner*innen aktiv am Stadtmachen beteiligen kann. Kernstück der Aktionswoche bildeten die City Labs: Mehrere Gymnasialklassen aus Lichtenberg und Hellersdorf erarbeiteten in fünf verschiedenen Labs, geleitet von Stadtplaner*innen, Künstler*innen, Schauspieler*innen oder Architekt*innen Visionen für ihre Stadt der Zukunft. Eines dieser Labs haben wir geleitet.

Hierbei sollten wir die Themen „Nachhaltigkeit“, „Soziale Stadt“ und „Digitale Stadt“ einbringen. Die entstandenen Ergebnisse sollten am Ende der Woche präsentiert werden. Die Art der Vermittlung wurde uns hierbei gänzlich offen gelassen. So regten wir die Schüler*innen am ersten Tag zunächst an, im Rahmen einer Stadtexkursion selbst zu Entdecker*innen zu werden. An den folgenden Tagen stand der Modellbau im Mittelpunkt: Nach einem inhaltlichen Input zu den drei Themenkomplexen der Aktionswoche bauten die Jugendlichen ihre Städte der Zukunft. Hierbei galt es, durch das Einnehmen verschiedener Rollen unterschiedlichste Interessen zu berücksichtigen und in den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Gewerbe, Grün, Mobilität und soziale Funktionen umzusetzen. All dies spiegelt sich in den Städten der Zukunft der Schüler*innen wider.

Weitere Impressionen der Woche sind auf der Website der Parkaue zu finden.

Beetefibel

Es geht los: Vor dem Büro legen wir gemeinsam ein sechsgeschossiges Gemüsebeet an. Ganz im Sinne einer „Stadt für alle“, wird das Beet eine Gemeinschaftsfläche in unserer Nachbarschaft sowie Lebensraum für verdrängte Randgruppen wie Wildbienen, Wurzelhalsschnellkäfer und Co. zugleich.

Für alle, die Lust haben, es uns gleich zu tun, gibt es hier eine kleine Fibel für Straßenbeete.