Mehr Theater für Karlshorst

Vier Nachmittage habe ich dieses Jahr im Bühnenturm des Theaters Karlshorst verbracht. Nein, ich habe nicht den geheimen Wunschtraum, Schauspielerin oder Bühnentechnikerin zu werden. Ich durfte im Auftrag der Stiftung Stadtkultur einer Aufgabe nachgehen, die ich auch im Rahmen der Urbanizers-Projekte häufig übernehme: Werkstattmoderation. Allerdings hat die Stiftung von der Einladung der Diskussionsteilnehmer*innen über die inhaltliche Vorbereitung bis hin zum Catering alles, was zu einer gelungenen Veranstaltung gehört, selbst gemacht. Solche Gastmoderationen übernehme ich ausgesprochen gerne. Sie bedeuten eine andere Form der Verantwortung als in unseren eigenen Projekten.

Das Theater Karlshorst braucht eine neue Identität, es muss schrittweise denkmalgerecht saniert werden und soll sich in den nächsten Jahren als neuer Kulturort für Kiez und Gesamtstadt etablieren. Da kulturelle Orte Impulsgeber für urbanes Leben sind, hat das eine Menge mit Stadtentwicklung zu tun. Doch nicht nur aufgrund des thematischen Bezugs zur Arbeit von Urbanizers hat mir die Moderation großen Spaß gemacht. Denn es war beeindruckend, was in den Werkstattgesprächen alles entwickelt wurde und das Leitbild für das Theater nun bereichert. So hat die Vision der Stiftung für das Theater zahlreiche gewichtige Stimmen der Berliner und bundesweiten Kulturlandschaft nach Karlshorst geholt. Viele von ihnen waren vom ersten Theaterbau, der in Deutschland nach 1945 entstanden ist, so begeistert, dass sie spontan Projektideen entwickelten. Ginge es nach den Beteiligten der vier Werkstätten, könnte schon Anfang 2020 eine Interimsnutzung starten. Die wird zwar noch ein paar Monate auf sich warten lassen. Aber ich bin froh, an ihrer Vorbereitung mitgewirkt zu haben und bleibe gespannt, wie sich der Ort entwickeln wird.

16 Millionen für Grün

Anfang November trafen sich in unserem Forschungsprojekt Green Urban Labs Vertreter*innen der Modellvorhaben und des Bundes, die Forschungsassistenz sowie drei Referent*innen aus London, Kopenhagen und Wien in Berlin, um Erfahrungen und Konzepte zu den Themen grüne Infrastruktur, Multicodierung und Klimawandelanpassung auszutauschen.

Frage des Tages: Wie können Städte in Zeiten von Urbanisierung und Klimawandel grün bleiben oder sogar grüner werden? Im Mittelpunkt der drei Themen, wie (nicht) zu erwarten: die Bürger*innen. Sie sind diejenigen, die Grün in der Stadt nutzen und teilweise sogar umsetzen sollen. Aber wie bindet man sie richtig ein? Wie betreibt man grüne Bildungsarbeit? Wie geht man mit Bürger*innen, deren Ideen und Engagement um? Und wie sichert man noch nebenbei städtische Lebensqualität im Sinne der Daseinsvorsorge?

Innovative Ideen gab es viele: auf Stadtspaziergängen und durch Storytelling Grün im wahrsten Sinne des Wortes greifbar machen; bei Regenwasserbewirtschaftung und Naturschutz immer auch die Nutzer*innenperspektive mitdenken und umgekehrt; auf Bürger*innenwünsche eingehen und ihnen Möglichkeitsräume eröffnen; Förderprogramme aufsetzen, durch Pilotprojekte mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, wie die Stadt der Zukunft aussehen kann.

Johanna Gibbons, Landschaftsarchitektin aus London, sagte an einer Stelle sinngemäß: „London hat 16 Mio. Einwohner*innen, die man für Themen und Projekte gewinnen kann. Wenn dies gelingt, wird Grün auch in der Stadtpolitik gestärkt.“

In dem Sinne, liebe Politiker*innen, Verwalter*innen, Planer*innen und Bürger*innen: Redet miteinander!