Kinder- und Jugendbeteiligung auf Augenhöhe?

„Guck mal, ich hab ’ne super Idee, willst du dabei sein? Gibt auch Kohle…“ – Laurenz Blaser, 03.03.2020

Während Beteiligung allgemein deutlich an Stellenwert gewonnen hat und zunehmend im Bewusstsein von Politik und Verwaltung verankert ist, werden junge Menschen in der Stadtplanung oft vergessen. Kann sich das ändern? Darüber diskutierten am 19. Februar Vertreter*innen aus Sozialarbeit, Forschung, Polizei, Verwaltung und Planung in der Stadtwerkstatt am Alexanderplatz. Das Projekt INERSIKI hatte zum Fachaustausch „Lebenswelt Stadt – Kinder und Jugendliche zwischen Nutzung, Aneignung, Verdrängung und Sicherheit im öffentlichen Raum“ eingeladen.

Neben Fragen der „städtebaulichen Kriminalprävention“ und der Ambivalenz des Sicherheitsgefühls von Kindern und Jugendlichen stand die Frage der Beteiligung auf Augenhöhe im Fokus der Veranstaltung. Hier herrschte weitgehende Einigkeit: Die Einbindung junger Menschen in Planungsprozesse werde meist leider stark vernachlässigt. Und das, obwohl sie rechtlich vielseitig verankert ist. In der UN-Kinderrechtskonvention (Artikel 12), dem Sozialgesetzbuch (§ 8), dem Baugesetzbuch (§ 3) – die Berücksichtigung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in alle sie betreffenden Entscheidungen taucht in einer Reihe von Gesetzestexten auf. Es mangelt jedoch an einer kontrollierenden Instanz und an Konsequenzen bei Nichtbeachtung.

Aus den Reihen der Sozialarbeiter*innen kam zudem Kritik über die Formate, welche für die Partizipation gewählt werden. Allzu oft seien Ansätze paternalistisch (siehe Untertitel) oder einseitig. Für eine adäquate Einbindung von Minderjährigen müsse man sich vor allem Zeit nehmen. Einmalige Workshops zu einem festen Zeitpunkt mit klarem Ergebnisziel führten nur zu einem oberflächlichen Eindruck, welcher den komplexen Ansprüchen unterschiedlicher Altersgruppen und Cliquen nicht gerecht werden könne. Gefragt sei ein offenes Ohr an ganz verschiedenen Orten und Raum für informelle Gespräche auf Augenhöhe.

Dafür fehlen in der Planung jedoch leider oft die finanziellen Mittel und der Wille. Dabei werden die Kosten durch die langfristig zu erwartenden positiven Effekte deutlich relativiert: Identifikation mit dem Lebensumfeld, demokratische Legitimierung der Planung, Generationengerechtigkeit und eine Passgenauigkeit der Angebote, mit der Fehlplanungen und damit unnötige Kosten vermieden werden können. Nicht zuletzt bieten auch konfliktreiche Prozesse die Chance, Jugendliche der politischen Bildung näherzubringen und damit Politikverdrossenheit frühzeitig vorzubeugen. Wer Demokratie lernen soll, muss Demokratie erleben!

Mit diesem Plädoyer kehre ich gerne zurück ins Büro, um den Stimmen junger Menschen auch weiterhin und zukünftig noch mehr Gehör zu verschaffen.