Laufen wirkt (nach)

Anfang Juni war es mal wieder soweit: Unter 1899 Teams mischte sich auch Urbanizers & Friends, um im Tiergarten die 5×5-Teamstaffel mitzulaufen. Teamevent, Picknickqualität und Spaß standen im Vordergrund, aber auch die Platzierung kann sich im Nachhinein sehen lassen. Unser Team schaffte es bei 30 Grad und blauem Himmel gemeinsam auf Platz 371.

Spaß hat’s gemacht, aber …

Nadine: Berlin ist für seine breiten Straßen bekannt; beim Laufen kamen mir die Fußgänger- und Parkwege aber so schmal vor wie noch nie. Es waren sehr viele Läuferinnen und Läufer unterwegs. Eigentlich hätte man ja mehr Platz absperren können, oder?

Annika: Tja, Lenné ahnte wohl nichts von den Horden Laufwütiger, die im 21. Jahrhundert durch den Tiergarten rennen wollen. Und das ist durchaus ein Problem: wenn Grünanlagen zunehmend für solche Großevents in Anspruch genommen werden hat das Auswirkungen auf deren Zustand und produziert Pflegekosten für die Stadt.

Nadine: Ein Teil der Strecke verlief ja auch über Gehwege. Leider verdrängt man dadurch temporär die Radler vom benachbarten Radweg. Und wenn man die Straße absperrt, beschweren sich die Autofahrer … Grundsätzlich gibt es in Berlin aber sehr viele Grünflächen, sodass sich die Belastung gut verteilen ließe. Und der Berliner bewegt sich ausgesprochen gerne auf jenen – manchmal auch säubernd (vgl. Plogging, Berlin treibt’s draußen).

Gregor: Vielleicht gibt’s ja bald eine Grün-Charta für Berlin, die ein bisschen genauer sagt, was wir den Grünräumen alles zumuten können.

Annika: Und dann wäre da noch die Eventisierung des öffentlichen Raums: drei Tage „feiern bis zum Abwinken“ wie die Veranstalter selbst sagen – wer hat da eigentlich was davon?

Nadine: Den Spruch kann man sicherlich missinterpretieren – allerdings findet in anderen Metropolen das Leben per default in öffentlichen Räumen statt, siehe Barcelona etwa. Wenn das der Standard ist, verliert es etwas den Eventcharakter.

Marie: Spannend ist das allemal. Als wir anfingen, über die Digitalisierung und die Stadt zu reden, prophezeiten viele den Niedergang des öffentlichen Raums. Rückzug ins Private und virtuelle Realitäten sollten ihn obsolet machen. Und heute? Belebter und lebendiger – aber eben auch umkämpfter als je zuvor.

Marie: Lasst uns den nächsten Lauf am Olympiapark starten. Da wird seit über 100 Jahren Sport in der Stadt getrieben.