Radeln durch Berlin

27.11.2018

An die Wand des Besprechungsraums im Büro gelehnt, fielen mir die Tokyobikes bei meinem Praktikumsstart sofort auf. Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir über sie jedoch keine weiteren Gedanken. Solche und ähnliche Single-Speed Fahrräder hatte ich bereits des Öfteren im Berliner Straßenverkehr gesehen. Jedoch konnte ich bis dato nicht verstehen, wieso diese Art Fahrräder so gehypt wurde. Auf mich machten sie nicht einmal einen besonders stabilen Eindruck. Dünne Räder, kein Fahrradständer und bezüglich der Robustheit hegte ich auch meine Zweifel aufgrund des fragil erscheinenden Rahmens. Vor allem jedoch sprang mir der hohe Sattel ins Auge. Dadurch beugte man sich beim Fahren doch stark vornüber – das konnte doch weder Spaß machen noch gesund sein?

Als selbst begeisterte Radfahrerin hatte ich bisher nur eine begrenzte Anzahl an Fahrradtypen ausgetestet. Dabei war mein Favorit bislang immer das Hollandrad. Aufrecht, entspannt und bequem durch die Stadt – das war meine Idealvorstellung vom urbanen Radfahren. Dann kam der Tag, an dem meine große Leidenschaft für Single-Speed-Fahrräder entfacht wurde: Eine Kollegin bat mich, im nahgelegenen Copyshop etwas abzuholen und meinte beiläufig „Nimm doch das Dienstrad“.

Zunächst traute ich mir nicht zu, das Fahrrad wirklich in Anspruch zu nehmen. Wie konnte ich auch nur? Seit meiner Kindheit wurde mir eingeprägt, den Sattel höchstens hüfthoch einzustellen, sodass der Kontakt zum Boden immer schnell hergestellt ist. Ganz anders beim Tokyobike. Dennoch fasste ich all meinen Mut zusammen und entschied mich für das Rad. Ich setzte mich auf und das Nächste, an das ich mich erinnern kann, war das Gefühl des Schwebens über dem Asphalt. Kaum trat ich in die Pedale, war ich bereits gefühlte 50 Meter weiter. Frei, schnell, dynamisch: Urbanes Radfahren war plötzlich ein aufregender Nervenkitzel.

Trotz Novemberwetter und glitschigen Blättern biete ich mich seit jenem Moment liebend gerne für Dienstgänge per Fahrrad an – und ja, ich habe mir bereits Gedanken darüber gemacht, mir nach dem Praktikum ein eigenes Single-Speed zuzulegen …