Späti vs. Trinkhalle, Teil I

5. April 2019, Marie Köhler

Unsere Praktikantin geht mit einem Reflektionsprozess zum Thema Für und Wider Hauptstadt oder Ruhrpott in Mini-Serie. Hier kommt der erste Teil.

Mein 3-monatiges Praktikum bei Urbanizers neigt sich dem Ende zu. Nach einer spannenden und lehrreichen Zeit in der Hauptstadt geht es für mich nun zurück nach Essen in den Ruhrpott. „Hier bleibe ich nicht länger als nötig“, dachte ich, als es mich zu Beginn meines Studiums ins Ruhrgebiet verschlug. Im Laufe der Zeit habe ich jedoch den Pott und seine Menschen besser kennen und irgendwann auch lieben gelernt. Kurz vor dem Ende meines Studiums und am Ende des zweiten längeren Berlin-Aufenthalts frage ich mich erstmals, ob ich hierher umziehen sollte.
Das Ruhrgebiet und Berlin könnten auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein. Gut, auch auf den zweiten Blick findet man nicht viele Gemeinsamkeiten. Vielleicht ist ein Vergleich trotzdem eine Entscheidungshilfe für mich, um meinen kleinen inneren Konflikt anzugehen?

Architektur/Stadtbild
Berlin mit seinen gründerzeitlichen Prachtbauten hat mich schnell überzeugt. Ich freue mich immer noch fast täglich über die hohen Decken und den Stuck in der Wohnung, die ich zurzeit bewohne.
Hier hat das Ruhrgebiet leider nicht so viel zu bieten: Es ist stark durch Gebäude und Siedlungsstrukturen der Nachkriegszeit geprägt. Dennoch lohnt es sich auch hier, etwas genauer hinzuschauen. Denn auch unter den Bauten der Nachkriegsarchitektur lassen sich einige sehr interessante Gebäude entdecken.

Mobilität
Urbane Mobilität ist sowohl für die Metropole Berlin, als auch für die Metropole Ruhr ein wichtiges Thema. Von Kreuzberg in den Wedding braucht man in etwa so lange wie von Essen nach Dortmund. Was den öffentlichen Personennahverkehr angeht, überzeugt Berlin mit seinem gut getaktetem Bus- und Bahnnetz. Wenn ich am Anfang noch gerannt bin, um eine U-Bahn zu erwischen, habe ich schnell gemerkt, dass die nächste Bahn nie lange auf sich warten ließ. (In Essen musste ich hingegen lernen, dass die Ansage „sofort“ auf der Anzeigetafel für die nächste Bahn ein durchaus dehnbarer Zeitraum ist und dass ich mich, sobald es regnet oder schneit, sowieso nicht auf die Bahn verlassen kann.)
Obwohl das Ruhrgebiet mit seinem Radschnellweg Ruhr gute Radverbindungen zwischen einigen Städten des Ruhrgebiets geschaffen hat, lässt die Fahrradinfrastruktur innerhalb der Städte, die stark vom motorisierten Individualverkehr geprägt sind, zu wünschen übrig. Auch in Berlin ist das Radwegenetz ausbaufähig – dennoch gibt es bereits sehr viele Radwege und Fahrradfahrer*innen sind keine Seltenheit auf den Straßen Berlins.

 

Lest in Teil II über Stadtgrün und Mieten.