The Garden of unaccompanied Children*

12.10.2018

Urbanizers Mitarbeiter Benedikt Sequeira war im August zu Besuch auf der Biennale in Venedig. Zum diesjährigen Thema „Freespace“ macht er sich für unseren Blog seine ganz eigenen Gedanken.

Die Insel hat das freie Meer. Jungs mit nacktem Oberkörper steuern ihre Mädchen im Licht eines grellen Vormittags von Ufer zu Ufer und zurück und scharf aneinander vorbei. Reihen bunter Geranien ziehen in beraubender Langsamkeit über dich hinweg. Heidi Horten liegt hier auch noch rum. Carinthia. Vertikal ist nur der Friedhof.

Teures Gut. Schön, wer ein Boot oder fünfundzwanzig Euro hat, den Freiraum zu nutzen. Spielwiesen. Kuratorenfrei.

Die Grenze ist der Horizont. Deiner Spielwiese. Eine Illusion? Fehlt die Freiheit, wird sie erschaffen. Der Raum halt wiederholt. Das erspart uns doch den Streit. Unendliche Türme. Lange Gänge. Weite Steppen. Ewige Mauern. Fünf liegende, sich verbiegende und auf Zehenspitzen stehende Menschen entdecken den Spiegel. Das kopierte Du wird geteilt und gemocht. Die Illusion ist wunderschön. Die Biennale deine Mittagssonne. Keine Konflikte.

Eine Freiheit für das Königreich! Die Insel ist leer. Das möchten sofort drei Menschen in Wort und in Schrift und Bild erläutern: Entgegen deiner ersten Panik doch regelmäßig bespielt. Nichts geht nicht. Ein drittes Gerüst bringt dich zum dritten Mal auf ein Dach. Hier: das Neue auf dem Alten. Unter deutschen Sonnenschirmen ein Blick aufs offene Meer. Die MSC Lirica im Abendlicht. Schemen der Zurückgekehrten rutschen ihre Runden jetzt in Freiheit. Pärchen in Motorbooten. Am Anleger verteidigt ein alter Mann seine Brötchen gegen Tiere. Ein anderer wirft seins ins Meer. Flugzeuge über Marco Polo.

Übervoll. Und gar nicht weit. Freiraum.

 

(* Name eines temporären Spielplatzes; Microclima und Kunsthalle Zürich. Venedig 2018)