Vom Muttersein und Karriere machen

07. März 2019, von Franziska Lind

Es ist Mittwoch. Wie jede Woche in den letzten Monaten gehe ich gemeinsam mit der Tochter, 7 Monate, in die Krabbelgruppe. Singen, klatschen, spielen, tanzen. Irgendwann gibt es Kaffee für die Mamas. Alle tratschen wild durcheinander. Ich erzähle, dass ich bald nicht mehr kommen kann. „Ich gehe ab nächsten Monat wieder arbeiten, dann bleibt mein Freund mit Tochter zuhause.“
Stille.
„Was, echt jetzt?“ „Oh, Du arme.“ „Ist ja schön, dass das bei euren Arbeitgebern so klappt.“ „Das ist ja toll von Deinem Mann.“

Die Reaktionen offenbaren eine gesellschaftliche Realität weit entfernt von Gleichberechtigung und Chancengleichheit. Manche Mütter müssen aus finanziellen Gründen wieder Vollzeit arbeiten gehen. Andere Mütter würden gerne zurück in den Job, finden aber mit Kind keinen mehr.
Allen Frauen aber ist eins gemein. Sie müssen einerseits einem tradierten Bild der Mutter gerecht werden: fürsorglich, selbstlos und erfüllt durch die Rolle als Mutter und Hausfrau. Andererseits sind sie eine volkswirtschaftliche Ressource. Insbesondere von Akademikerinnen wird erwartet, dass sie wieder in den Job einsteigen: 40 Stunden plus, um dann ‚Karriere‘ zu machen, so wie es immer noch die männliche Normalbiographie diktiert. Und am besten soll das alles unter einen Hut gehen, sprich zur bezahlten Arbeit kommt dann noch die unbezahlte Arbeit zuhause dazu.

Mein Wiedereinstieg bei Urbanizers verlief eher sachte. 40-Stunden-Wochen sind hier ohnehin nicht die Norm, egal ob mit oder ohne Kind. Co-Chef Gregor Langenbrinck hat 2004, als von Elterngeld noch nicht die Rede war, schon ein Vaterhalbjahr gemacht. Demnächst tauschen wir uns also dazu aus, wie es klappt mit der Jonglage zwischen Dienstreise und Krabbelgruppe, kurzen Nächten und langen Terminen, Windeln wechseln und Forschungsberichte schreiben.