Einblicke

Wohnen ist mehr als ein Dach über dem Kopf: 
Erkenntnisse aus unserer Projektarbeit

Wohnen ist komplex geworden – oder war es schon immer, und wir merken es nur gerade besonders? Die Sicherung bezahlbaren Wohnraums, die Flächenkonkurrenz, der Umgang mit Leerstand, die Beschleunigung von Genehmigungsprozessen: Die Liste der Herausforderungen ist lang und zeigt, wie vielschichtig die Situation ist.

Wie alle Dimensionen der integrierten Stadtentwicklung lässt sich auch Wohnen nicht isoliert betrachten. Wohnungsfragen berühren Themenfelder wie Mobilität, soziale Infrastruktur, Klimaanpassung, Nutzungsvielfalt und Bodenpolitik. Sie sind eng verknüpft mit Themen der Teilhabe, der Quartiersentwicklung und der langfristigen Stadtqualität.

In unseren Projekten stellen wir das immer wieder fest. Dabei haben wir Erfahrungen und Erkenntnisse gesammelt, die von städtebaulichen und wohnungswirtschaftlichen Aspekten über soziale und ökologische Dimensionen bis hin zu prozessualen Themen reichen.

Begleitung der Kleinstadt Akademie
In kleinen Städten zeigt sich die Wohnungsfrage in ihrer ganzen Bandbreite: Während zentral gelegene Kleinstädte unter Wohnraummangel und steigenden Preisen leiden, kämpfen periphere Regionen mit erheblichem Leerstand. Gleichzeitig wird klar, dass Wohnen hier nur im Zusammenspiel mit Arbeit und Mobilität funktioniert und vielfältige typologische Angebote jenseits des Einfamilienhauses notwendig sind. Viele Kommunen stoßen jedoch an ihre Kapazitätsgrenzen: Begrenzte Verwaltungsressourcen, fehlende Wohnbedarfsprognosen und standardisierte Planungsansätze erschweren innovative Wege.

Jährliche Konferenz der Berliner Mieterräte und Mieterbeiräte
Wohnen ist die Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe. In Quartieren und Nachbarschaften entscheidet sich, wie Stadtgesellschaft funktioniert. Aus unserer langjährigen Arbeit mit der Sicheres Wohnen – AöR (ehemals Wohnraumversorgung Berlin – AöR) wird klar: Mieter:innenbeteiligung ist ein zentraler Baustein sozial verantwortlicher Wohnraumversorgung. Tragfähige Lösungen – von sozialverträglicher Modernisierung bis zu leistbarem Wohnen – entstehen dort, wo alle relevanten Akteur:innen auf Augenhöhe zusammenarbeiten.

Agenda Stadt grün-blau
Wohnungsnahes Grün ist keine Nebensache, sondern elementar für die Förderung der Lebensqualität, Gesundheit und Klimaresilienz. Der wachsende Bedarf an Wohnraum verschärft jedoch die Nutzungskonflikte zwischen baulicher Verdichtung und Freiraumentwicklung. Unsere Arbeit an der bundesweiten Agenda Stadt grün-blau macht deutlich: Es braucht Instrumente, die grün-blaue Infrastruktur verbindlich sichern und dabei Umweltgerechtigkeit mitdenken – denn der Zugang zu qualitätsvollem Freiraum darf nicht von der Wohnlage abhängig sein.

Rahmenpläne in Potsdam (Golm, Marquardt, Bornstedt)
In mehreren Rahmenplanverfahren in Potsdam haben wir erfahren, dass die Akzeptanz neuer Wohnquartiere davon abhängt, wie gut sie mit sozialer Infrastruktur, Nahmobilität und Freiraum verknüpft werden. Dies gilt sowohl für Siedlungserweiterung als auch für Nachverdichtung. Transparente, mehrstufige Beteiligungsprozesse mit lokalen Akteuren und Bewohner:innen sind dabei nicht nur demokratisch geboten, sondern auch fachlich produktiv – sie verhindern Fehlplanungen und schaffen sozial tragfähige Lösungen.

Verfahrensbeschleunigung der Bauleitplanung
Die Bauleitplanung ist das zentrale kommunale Instrument zur Schaffung neuen Wohnraums – doch ineffiziente und langwierige Verfahren verzögern dringend benötigten Wohnungsbau erheblich und verursachen Mehrkosten. Durch unsere Forschung zur Digitalisierung der Bauleitplanung konnten wir erfahren: Das Problem liegt weniger in fehlender Technologie als in den Rahmenbedingungen. Schnellere Wohnraumentwicklung braucht ein digitales Ökosystem aus Open-Source-Basistechnologien, harmonisierten Verwaltungsvereinbarungen und frei verfügbaren Daten – nur so können bestehende digitale Lösungen breitere Anwendung in der kommunalen Praxis finden.

Was bedeutet das für aktuelle Debatten? Wohnraum zu schaffen ist keine rein technische Frage. Es braucht Beteiligung, Transparenz und den Mut, etablierte Planungspraxen zu hinterfragen. Unsere Projekte zeigen: Das ist möglich – wenn man verschiedene Perspektiven zusammenbringt.

– Maria Fernanda Godinho, 30.01.2026


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